100 Dinge, die ich wirklich hasse – Nr. 12: Kettenbriefe

Heute war es mal wieder soweit. In meinem E-Mail-Postfach finde ich folgende Nachricht.

Normalerweise sende ich keine Nachrichten dieser Art, aber diese
Nachricht kommt von einer sehr guten Freundin, meiner Freundin, diese ist
Anwältin und es scheint eine interessante Möglichkeit zu sein.

Wenn Sie sagt, dass es funktioniert, dann funktioniert es auch. Jedenfalls
kann man nichts dabei verlieren.

Folgendes hat sie mir erzählt:
Ich bin Anwältin und ich kenne das Gesetz. Das ist eine Tatsache.
Täuscht euch nicht, AOL und Intel halten ihre Versprechen aus Angst, vor
Gericht gebracht und mit Forderungen in Millionenhöhe konfrontiert zu
werden, so wie es Pepsi Cola mit General Electric vor kurzem gemacht hat.

Liebe Freunde, haltet dies bitte nicht für einen dummen Scherz.

Bill Gates verteilt gerade sein Vermögen. Wenn ihr darauf nicht reagiert,
könnte es Euch später leid tun. Windows ist noch immer das am häufigsten
genutzte Programm. Microsoft und AOL experimentieren gerade mit diesem
per e-Mail versandten Text (e-mail beta test) Wenn ihr diese Mail an
Freunde versendet, kann und wird Microsoft zwei Wochen lang euren Spuren
folgen.
Für jede Person, die diese Nachricht versendet, zahlt Microsoft 245 Euro.

Für jede Person, der ihr diese Nachricht geschickt habt und die sie
weiterleitet, bezahlt Microsoft 243 Euro. Für die dritte Person, die sie
erhält, bezahlt Microsoft 241 Euro.

Nach zwei Wochen wird sich Microsoft mit der Bitte um Bestätigung der
Postanschrift an Euch wenden und euch einen Scheck schicken.

Mit freundlichen Grüßen
Charles S. Bailey General Manager Field Operations 1-800-842-2332 Ext.
1085 or 904/245-1085 or RNX 292-1085
mailto:Charles_Bailey@csx.com >; mailto:Charles_Bailey@csx.com _

Ich habe dies für Betrug gehalten, aber zwei Wochen, nachdem ich
diese Mail erhalten und sie weitergeleitet hatte, bat mich Microsoft
um meine Postanschrift und ich habe einen Scheck über 24800 Euro erhalten.
Ihr müsst antworten, bevor dieser Test beendet wird. Wenn jemand
von euch diese Möglichkeit hat, sollte er sie nutzen. Für Bill Gates sind
dies Ausgaben für eine Werbekampagne. Bitte sendet diese Nachricht so
vielen Leuten wie möglich. Ihr solltet mindestens 10000 Euro erhalten.

Wir wären ja bei der Weiterleitung dieser Mail nicht behilflich, wenn

nicht auch für uns etwas dabei herausspränge.
Eine Bekannte meines Vaters hat sich vor einigen Monaten hier
eingeklinkt. Als ich sie zuletzt besucht habe, hat sie mir ihren Scheck
gezeigt. Die Summe betrug 4324,44 Euro als Gesamtleistung.

Die Tante von guten Freunden, Tante Patricia, die für Intel arbeitet, hat
gerade einen Scheck über 4543,23 Euro für die Weiterleitung dieser Mail erhalten.
Wie gesagt, ich kenne das Gesetz und es stimmt, dass Intel und AOL gerade
über eine Fusion verhandeln, die sie zum weltgrößten Anbieter machen würde

und um sicherzustellen, dass sie das meistgenutzte Programm bleiben,
führen sie diesen Test durch.

Erstmal war ich schon genervt, den Text nach dem eigentlichen Inhalt zu durchsuchen, der sich zwischen den „Ursprüngliche Nachricht“ und „Weitergeleitet“ befand. In der Mail an mich waren insgesamt noch 65 (!!!) Korrespondenzen eingefügt. Durchaus interessant, welche Polizeipräsidien, Behörden, Autohäuser und viele andere Stellen die Zeit vertreiben.

Die insgesamt 396 Mail-Adressen in der besagten Mail plus die 327 Mail-Adressen in meinem Adressbuch würden Microsoft also mal schlappe 177.135 Dollar kosten. Sicherlich Peanuts für Bill Gates, aber jeder halbwegs gescheite Mensch sollte sich mal fragen, ob so was überhaupt realistisch sein kann.

Ich habe keine 90 Sekunden gebraucht um herauszufinden, dass es die Mail in dieser oder ähnlicher Form seit mindestens September 1999 gibt, es ursprünglich nur 5, 3 oder 1 US-Dollar geben sollte. Nachlesen kann man das auf einer Seite, die ich jedem ans herz legen möchte, bevor er/sie einen solchen möglichen Kettenbrief weiterleitet.

Was ich noch um einiges gefährlicher einstufen würde, ist die Tatsache, dass ich nun ein ganz gutes Profil erstellen könnte, welchen Weg die Mail tatsächlich genommen hat. Eine Beschwerde über Steuergelder, die in Behörden durch die Bearbeitung solcher Mails verpulvert werden schenke ich mir an dieser Stelle.

Stefan Moeller Verfasst von:

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